Modul: Alles verkehrt? Alles gut? Vier Jahrzehnte Streit um die deutsche Einheit

Modulname Alles verkehrt? Alles gut? Vier Jahrzehnte Streit um die deutsche Einheit
Gebiet
Profil Profil Freie Studien Profil Wissensvermittlung
CPs 5 CP
Campus Hier geht es zum Vorlesungsverzeichnis
Voraussetzungen Das Modul ist offen für Interessierte aus allen Fakultäten und jeder Semesterzahl.
Besonderheiten TN-Plätze: Bis zu 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer können am Modul mitwirken. Termin der ersten Sitzung: 16. Oktober 2026, 10.15 Uhr (1. Sitzung des Seminars = letzte Anmeldemöglichkeit) Anmeldung: Für die Anmeldung genügt eine Mitteilung per E-Mail an das Institut für Deutschlandforschung: idf@rub.de Zusammensetzung der Endnote: Die Endnote ergibt sich aus der Note für den Modulteil 1 (Vorlesung, 33,3 %) und der Note für den Modulteil 2 (Seminar, 66,6 %). Prüfungstermin: Keine gesonderten Prüfungen (werden im Rahmen der Teilnahme-Leistungen erbracht).
Blockseminar Nein
Vorkenntnisse Das Modul ist offen für Interessierte aus allen Fakultäten und jeder Semesterzahl.
Veranstaltungszeit
Dozenten Frank Hoffmann
Arbeitsaufwand Ca. 60 Stunden Präsenzzeit (Vorlesung, Seminar), ca. 90 Stunden Selbstlernzeit (Lektüre von Begleittexten zur Vorlesung und zur Vorbereitung der Seminarsitzungen sowie Erarbeitung eines Referats für das Seminar und schriftliche Ausarbeitung; Erarbeitung eines schriftlichen Kurzbeitrags zu einer Vorlesung, z. B. als Essay oder Protokoll). Allgemeine Aufgaben der Teilnehmenden sind die regelmäßige aktive Teilnahme an Vorlesung und Seminar (beide mit viel Raum für Fragen und Diskussionen), Bereitschaft zur Lektüre und eigene Beiträge wie Referat, Präsentation, Mitarbeit an einer Diskussionsgruppe, zwei kleine schriftliche Leistungen (zu Vorlesung und Seminar).
Literatur Es wird bei Moodle eine umfangreiche Auswahl an Texten und anderen Materialien zur Verfügung gestellt, ebenso eine Literaturübersicht. Zur Einführung können nützlich sein: Steffen Mau: Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt. Berlin 2024 (via Primo digital zugänglich); Ilko-Sascha Kowalczuk / Bodo Ramelow: Die neue Mauer. Ein Gespräch über den Osten. München 2025; Maria-Sibylla Lotter (Hg.): Probleme der Streitkultur in Demokratie und Wissenschaft. Baden-Baden 2023.
Modulteil [320000] „Jede Menge Hass“. Können Deutsche aus Ost und West nicht miteinander? - WS 26/27, [320001] Streitfall Deutschland. Die großen Konflikte seit 1990 (Ringvorlesung) - WS 26/27
Modultyp
Modulanbieter Zentrale wissenschaftliche Einrichtungen, Institut für Deutschlandforschung
Inhalt Teil 1: Streitfall Deutschland. Die großen Konflikte seit 1990 (Ringvorlesung), für alle Interessierten, GB 04/86, Mittwoch, 12.00 Uhr bis13.30 Uhr Teil 2: „Jede Menge Hass“. Können Deutsche aus Ost und West nicht miteinander? (Seminar), offen für alle Semester, GB 04/86, Freitag, 10-12 Uhr Die Deutschen scheinen derzeit so weit auseinander wie nie. Warnten vor kurzem Soziologen noch, man dürfe eine Spaltung der Gesellschaft „nicht herbeireden“ (Steffen Mau u. a.: Triggerpunkte, 2023), konstatierte im letzten Jahr eine Studie im Auftrag der Evangelischen Diakonie das genaue Gegenteil: 82 % der Bevölkerung sehen das Land tief gespalten (Daniel Hörsch: Verständigungsorte in polarisierenden Zeiten, 2025). Früher verliefen gesellschaftliche Konfliktlinien oft entlang einer klaren Frontstellung, wie zum Beispiel der Generationenkonflikt um 1968, die Debatte um die Ostpolitik Willy Brandts oder um die neoliberale Wirtschaftspolitik der 1980er und 1990er Jahre. Heute ist alles viel unübersichtlicher. Nachhaltig angefeuert wird dieses komplexe Durcheinander durch Social Media. Sie werden in der jungen Generation zwar vielfach genutzt, aber gesamtgesellschaftlich bleibt die von ihnen bewirkte kommunikative Revolution weithin unterschätzt. In der Polykrise des 21. Jahrhunderts scheint alles miteinander zusammenzuhängen: Energiepolitik und Klimakatastrophe, Russlands Krieg in der Ukraine, die täglich neuen Idiosynkrasien (vornehm ausgedrückt) des US-Präsidenten, die kaum verdauten Erfahrungen der Corona-Pandemie oder die Unruhe um eine „Flüchtlingskrise“. Im Wust der Probleme reagieren viele Menschen nicht mehr rational oder mit einer klaren Positionierung, sondern mit Fluchtreaktionen, Panik und Angst. Fast zwei Drittel (59 %) gehen nach Hörsch Konflikten möglichst aus dem Weg und noch mehr (64 %) artikulieren eine „Sehnsucht nach Verständigung“. Es stellt sich die Frage, ob damit nicht genau die Strategien der politischen Extreme bewirtschaftet werden, welche die liberale Demokratie mit ihrer inhärenten Logik von Konfliktlösung durch Kompromissfindung zum Feindbild gemacht haben. Das Modul kann diese Konfliktlagen nicht auflösen, aber es will sie durch eine systematische Analyse wichtiger Beispielfelder transparent machen und so Impulse zu ihrer Überwindung geben. Im Mittelpunkt stehen dabei die Konflikte in Folge der deutschen Vereinigung, wobei viele Themenfelder sehr starke Ost-West-Gegensätze aufweisen. Diese „deutschen“ Fragen dienen als wichtiger Schlüssel zur Durchdringung der einzelnen Konflikte und Streitfälle. Teil 1: Ringvorlesung Streitfall Deutschland. Die großen Konflikte seit 1990 Die Ringvorlesung behandelt die großen Konfliktfelder, die sich im Prozess nach der deutschen Vereinigung entwickelt haben, nicht selten als wellenartige Bewegung der Annäherung und neuen Abstoßung und Befremdung. Von dort werden Brücken zu grundsätzlichen Wegmarken der Entwicklung in Deutschland seit 1990 geschlagen. Streitige Fragen wie Europa, Energie- und Klimapolitik, Sicherheit und Verteidigungsfragen rücken auf diese Weise ebenfalls ins Blickfeld. Im Bereich der deutsch-deutschen Auseinandersetzungen geht es um die historische Aufarbeitung der DDR, die ökonomischen und sozialen Folgen der Vereinigung (Stichwort: Treuhandanstalt), künstlerische Zusammenstöße wie den Literatur- und den Bilderstreit, die als Kulturschocks zu beschreiben sind, aber auch um normative Differenzen, etwa die unterschiedliche Gewichtung von Freiheit und Gleichheit. Die thematische Orientierung erlaubt die Entwicklung langer Linien, die insgesamt ein spannungsreiches Panorama der Entwicklung im vereinten Land aufzeichnen soll. Damit sollen Wissensbestände vermittelt werden, aber auch Impulse zur selbstständigen Orientierung und Bewertung dieser zumeist selbst ambivalenten Entwicklungen, die keineswegs als völlig missglückt oder vollkommen gut gelungen beschrieben werden können. Teil 2 : Seminar „Jede Menge Hass“. Können Deutsche aus Ost und West nicht miteinander? Das Seminar arbeitet die großen Linien, die mit der Ringvorlesung gezogen werden sollen, im Detail nach und rückt das Mit- und Gegeneinander der Menschen in Ost- und Westdeutschland ins Zentrum der Diskussion. Herangezogen werden dazu literarische Texte und kulturelle Dokumente, publizistische Positionen und zeithistorische sowie politik- und sozialwissenschaftliche Befunde. Dabei werden einerseits wichtige Einzelprozesse nachgezeichnet, zum Beispiel die Debatte um die Bedeutung der Dokumente des Staatssicherheitsdienstes der DDR, die sogenannte „Ostalgie“-Welle um 2000, die neue Ernsthaftigkeit in Folge wichtiger künstlerischer Positionen (wie etwa der Spielfilm „Das Leben der Anderen“ oder der Roman „Der Turm“), wie sie sich um 2010 abzeichnete, die sozio-ökonomische Annäherung in den Jahren nach 2010 und schließlich die neue Schärfe, wie sie etwa mit der Debatte um die Bücher von Dirk Oschmann und Katja Hoyer (beide 2023) aufkam. Auf der anderen Seite soll auch grundsätzlich danach gefragt werden, wie Ost- und Westdeutsche sich aus der im letzten Jahrzehnt zunehmenden neuen Entfremdung befreien können. Anne Rabe, deren in Wismar spielender Roman „Die Möglichkeit von Glück“ (auch 2023) die Diktaturerfahrung von DDR und NS-Zeit perspektiviert, sprach vor Kurzem davon, dass „jede Menge Hass“ dieses Verhältnis bestimme. Das aufzubrechen erscheint auch angesichts politischer Prozesse, und zwar nicht allein in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern, dringend geboten. Dazu lädt das Seminar ein.
Lernziele Das Modul gibt Impulse für fachübergreifende Arbeit, ermutigt also ausdrücklich zur Interdisziplinarität. Es vermittelt gegenwartsbezogenes wie zeithistorisches Wissen um die Entwicklung Deutschlands seit 1990/2000. Dabei stehen Prozesse der sozialen, kulturellen und politischen Transformation im Fokus, die Wissensbereiche vermitteln und Fragekompetenz anregen wollen. Die kognitiven Erträge, die in der diskursiven Erörterung zur Vermittlungskompetenz führen, verbinden sich mit soziokulturell relevanter Orientierungs- und Planungskompetenz. Insgesamt hat das Modul das Lernziel, eingefahrene Stereotype und Selbst- wie Fremdbilder in Frage zu stellen. Darstellungskompetenz wird in unterschiedlichen mündlichen (z. B. präsentierenden, referierenden und debattierenden) Formaten sowie mit kleinen schriftlichen Aufgaben (Essay, Studie) geübt und vermittelt. Mut und Bereitschaft zur streitigen Debatte sind vorausgesetzt, werden aber auch systematisch ermöglicht und gefördert.